EPD Programm

EPD Programm 2018-03-05T13:24:40+00:00

Eine Definition des Begriffs: EPD

EPD ist die Kurzform für Umwelt-Produktdeklaration. Die drei Buchstaben stehen für die englische Bezeichnung Environmental Product Declaration. Eine EPD beschreibt Baustoffe, Bauprodukte oder Baukomponenten im Hinblick auf ihre Umweltwirkungen auf Basis von Ökobilanzen sowie ihre funktionalen und technischen Eigenschaften. Diese quantitativen, objektiven und verifizierten Informationen beziehen sich auf den gesamten Lebenszyklus des Bauprodukts. Deshalb bilden EPDs eine wichtige Grundlage für die Nachhaltigkeitsbewertung von Bauwerken.

Die EPD ist ein Typ III-Umweltkennzeichen

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnungen für Produkte — zum Beispiel die CE-Kennzeichnung — existieren verschiedene freiwillige Umweltkennzeichen, und zwar gibt es drei Kategorien, wobei die EPD dem Typ III-Umweltkennzeichen zugeordnet wird: In einer Umwelt-Produktdeklaration (EPD), wie sie vom IBU vergeben wird, werden die wissenschaftlich ermittelten Werte aus der Ökobilanz eines Produktes nach einem einheitlichen Schema zusammengefasst und dokumentiert. Sachlich, neutral, wissenschaftlich fundiert und vor allem ohne Bewertung. Genau darin besteht der Unterschied zu Typ I- und Typ II-Umweltkennzeichen. Die EPD ist kein Zertifikat. Es werden also keine Anforderungen an die Produktqualität gestellt, sondern an die Qualität und das Format der Daten. EPDs basieren auf den Normen ISO 14025 und EN 15804. Vor Veröffentlichung der EPD durch das IBU, wird sie von unabhängigen Dritten auf Vollständigkeit, Plausibilität und Normenkonformität geprüft und verifiziert. EPDs mit ihren quantitativen Aussagen über die Umweltleistung von Bauprodukten richten sich an viele Adressaten: Planer, Architekten, Bauunternehmen, Investoren, Facility Manager und natürlich an Unternehmen, die mit Herstellung und Dienstleistung an der Wertschöpfungskette von den Rohstoffen bis zum Gebäude beteiligt sind.

Das EPD-Programm basiert auf internationalen Normen

Die ISO 14025 regelt die Grundsätze und Verfahren für Typ III-Umweltkennzeichen, die quantifizierte Umweltinformationen aus dem Lebensweg eines Produktes zur Verfügung stellen. So sollen Vergleiche zwischen Produkten gleicher Funktion ermöglicht werden. Grundlage für die EPD ist wiederum die Ökobilanz nach ISO 14040/44.

Die EN 15804 spezifiziert die Grundregeln für EPDs in der Produktkategorie Bauprodukte. Durch diese grundlegenden Produktkategorie-Regeln wird sichergestellt, dass alle EPDs für Bauprodukte, Bauleistungen und Bauprozesse in einheitlicher Weise abgeleitet, dargestellt und verifiziert werden. Die EN 15804 schafft die Voraussetzung für europaweit gültige EPDs.

EPD als wichtige Datengrundlage für nachhaltiges Bauen

Geht es um nachhaltiges Bauen, werden Gebäude im Hinblick auf ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte betrachtet und bewertet. Dank EPDs für Baustoffe, Bauprodukte und Baukomponenten kann der ökologische Aspekt in die Nachhaltigkeitsbewertung von Bauwerken einfließen.  EPDs liefern Informationen zu Bauprodukten, die für den Bau von nachhaltigen Gebäuden und für Gebäudezertifizierungen relevant sind. Dabei geht es vorrangig um die Basisinformationen für die Beurteilung der ökologischen Gebäudequalität. Die in EPDs enthaltenen umfassenden und zugleich detaillierten Ökobilanzdaten und Informationen sind in einem einheitlichen Format auf wenigen Seiten übersichtlich zusammengefasst. Sie schaffen die Basis für die Beschreibung und Beurteilung von Bauwerken, um diejenigen mit besonders geringen Umweltwirkungen zu identifizieren. Hierfür werden in einer Lebenszyklus-Analyse die Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Rückbau und Entsorgung berücksichtigt. EPDs weisen eine Vielzahl an Indikatoren aus. So kann mittels EPDs zum Beispiel der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden. Somit bilden die international anerkannten EPDs einen wichtigen Eckpfeiler in den Gebäudezertifizierungssystemen von DGNB, BNB, BREEAM und LEED.

EPDs ermöglichen nicht nur die Ökobilanzierung und Bewertung von Gebäuden, sondern auch die integrale Planung. Architekten und Fachplaner können anhand von EPDs bereits in der Entwurfsphase verschiedene Bauteile, Bauweisen und Optionen vergleichen und so die ideale Kombination von Bauprodukten für das jeweilige Gebäude auswählen.

Ob Architekten, Planer, Ingenieure, Bauherren, Facility-Manager oder Auditoren – jeder Interessierte kann sich anhand der öffentlich zugänglichen EPDs einen Überblick über Ökobilanz-Kennwerte und produktbezogene Umweltwirkungen verschaffen.

Die EPD stellt Umweltwirkungen transparent und neutral dar

Die EPD ist das Umweltkennzeichen, das sich für alle baubezogenen Produkte und Dienstleistungen eignet. Baustoffe, Bauprodukte und Baukomponenten sind nicht per se umweltfreundlich oder umweltschädlich, denn sie sind keine Endprodukte, sondern Zwischenprodukte. Ihr Einfluss auf die Umwelt hängt von vielen Faktoren ab, denn die Umweltwirkungen einzelner Bauprodukte entscheiden sich erst in ihrem Zusammenspiel am Gebäude. So ist etwa die Verwendung eines aus natürlichen Rohstoffen hergestellten Bauproduktes kein Garant für Nachhaltigkeit. Wenn es um nachhaltiges Bauen geht, reicht es nicht, dass ein Produkt hinsichtlich eines einzelnen Umweltaspektes positiv bewertet wurde, wie es z. B. beim Typ I-Umweltkennzeichen der Fall ist. Jedes Produkt muss ganzheitlich betrachtet werden. Denn, um die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit eines Bauwerks ermitteln und bewerten zu können, werden vollständige Informationen über alle Eigenschaften und Umwelteinflüsse der verbauten Produkte und ihre Wechselwirkungen benötigt. Mit EPDs werden verifizierte Datensätze bereitgestellt, die zur Erstellung der Gebäudeökobilanz genutzt werden. Deshalb werden bei der Planung nachhaltiger Gebäude und bei deren Nachhaltigkeitsbewertung in ökologischer Hinsicht die Typ III-Umwelt-Produktdeklarationen, also EPDs, herangezogen.

Eine EPD enthält Angaben zu Umweltwirkungen eines Produktes

Statt einzelne Aspekte eines Produktes zu bewerten, stellen EPDs alle relevanten Umweltwirkungen auf Basis von Lebenszyklus-Analysen transparent, unabhängig und nachvollziehbar dar. EPDs liefern klare Informationen über die Umwelteinflüsse des Produktes, und zwar bezogen auf seinen gesamten Lebensweg. Betrachtet wird der komplette Prozess – von der Rohstoffentnahme über die Produktion, die Transporte und den Einbau ins Gebäude bis zum Ende der Nutzungsphase mit Entsorgungs- bzw. Recyclingmöglichkeiten. EPDs enthalten quantitative Produktinformationen, die aus Ökobilanzen stammen. Dazu gehören Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz, über das Abfallaufkommen und Aussagen darüber, in welchem Ausmaß ein Produkt beispielweise zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt.

Eine EPD enthält Angaben zu funktionalen und technischen Eigenschaften eines Produktes

Verschiedene technische Angaben ermöglichen zudem eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit eines Bauprodukts innerhalb des Gebäudekontextes. Dazu gehören z. B. Angaben zur Druckfestigkeit, zur Lebensdauer oder zur Wärme- und Schalldämmung. Die EPD enthält ggf. auch umwelt- und gesundheitsbezogene Nachweise, wie z. B. zum Emissionsverhalten in die Innenraumluft.

Eine EPD enthält Angaben zur Kreislaufwirtschaft und Entsorgung  

Eine EPD stellt auch dar, was am Ende der Nutzungsphase aus dem Bauprodukt bzw. aus dessen Bestandteilen wird. Ob es entsorgt wird und damit sein Lebensweg endet (cradle to grave), oder ob bzw. inwieweit es wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden kann (cradle to cradle) und zur Ressourceneffizienz beiträgt. Dank dieser Klarheit und Transparenz lässt sich die langfristige Wirkung einzelner Bauteile auf das Ökosystem kalkulieren. 

Wie entsteht eine EPD?

Im Rahmen des EPD-Programms vom Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU) können Unternehmen und Verbände Umwelt-Produktdeklarationen für ihre Produkte erstellen. Beteiligte Akteure sind neben dem Hersteller selbst und dem IBU als EPD-Programmbetreiber auch der Sachverständigenrat des IBU sowie unabhängige Prüfer und die interessierte Öffentlichkeit. Das gewährleistet Objektivität und Transparenz. Eine EPD wird in drei Schritten erstellt:

1. Produktkategorie-Regeln (PCR): die Grundlage zur Erstellung von EPDs

Grundlage einer EPD ist ein zweiteiliges Anleitungsdokument mit den Produktkategorie-Regeln (Product Category Rules, kurz PCR). Nach ISO 14025 handelt es sich bei den PCR um die Zusammenstellung spezifischer Regeln, Anforderungen oder Leitlinien, um EPDs für eine oder mehrere Produktkategorien zu erstellen. Im EPD-Programm des IBU werden die PCR in zwei Teile aufgeteilt.

Der vom Sachverständigenrat erstellte und zu pflegende PCR-Teil A enthält einheitliche Rechenregeln für die Ökobilanz und allgemeine Anforderungen an die EPD-Erstellung. Der für die spezifischen Produktuntergruppen erstellte PCR-Teil B beschreibt die konkreten Anforderungen an die Inhalte der EPD. Wenn für die entsprechende Produktgruppe noch keine PCR existiert, definiert eine vom IBU moderierte Arbeitsgruppe zunächst die Produktuntergruppe und legt die zu deklarierenden bautechnischen Angaben sowie die zu erbringenden umwelt- und gesundheitsbezogenen Nachweise fest. Der Sachverständigenrat prüft den Entwurf auf Normenkonformität, Konsistenz und Vollständigkeit. Bevor der Sachverständigenrat die PCR freigibt, kann die interessierte Öffentlichkeit Verbesserungsvorschläge einbringen.

Die aktuellen PCR für Bauprodukte stehen im EPD-Online Tool nach kostenfreier Registrierung zur Verfügung.

2. Erstellung der EPD

Der Bauprodukthersteller erstellt im zweiten Schritt auf Basis der PCR für sein Produkt eine EPD. Dazu gibt er alle geforderten Daten und Informationen in das EPD-Online Tool des IBU ein. Darüber hinaus kann der Hersteller auch technische Informationen, Interpretationen der Ökobilanz und Nachweise eingeben. Die Anfertigung eines sogenannten Hintergrundberichtes auf Basis des PCR-Teil A macht die Ergebnisse der Ökobilanz nachprüfbar und nachvollziehbar.    

3. Unabhängige Prüfung und Veröffentlichung der EPD

Im dritten Schritt erfolgt die Verifizierung der EPD. Das bedeutet, ein vom Sachverständigenrat berufener unabhängiger Dritter prüft die EPD samt Hintergrundbericht nach den Grundsätzen der ISO 14025, der EN 15804 und den Programmregeln des IBU auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz der Berechnungen und Angaben. Im Anschluss wird die EPD vom IBU veröffentlicht. Die Gültigkeit beträgt fünf Jahre, danach ist eine Aktualisierung erforderlich.

3 Schritte zur EPD

Alle bereits vom IBU veröffentlichten EPDs stehen zur Verfügung:

Die Mehrwerte von Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) auf einen Blick:

EPDs stehen für Objektivität, Transparenz und Glaubwürdigkeit

  • EPDs vermitteln wissenschaftlich fundierte, quantitative Daten aus Ökobilanzen und stellen alle relevanten Umweltwirkungen eines Bauproduktes transparent, unabhängig und nachvollziehbar dar.
  • EPDs werden durch unabhängige Dritte verifiziert, indem die enthaltenen Daten auf Vollständigkeit, Plausibilität und Normenkonformität geprüft werden.
  • EPDs basieren auf internationalen Normen und sind international anerkannt.
  • EPDs sind öffentlich zugänglich:

EPDs leisten einen Beitrag zum nachhaltigen Bauen

  • EPDs ermöglichen eine integrale Planung, indem sie Informationen für umweltbewusste Planungen und Kaufentscheidungen beim Bauen liefern.
  • EPDs dienen als wichtige Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung.
  • EPDs werden von Nachhaltigkeits-Zertifizierungssystemen für Gebäude, den sogenannten Green-Building-Zertifizierungssystemen, anerkannt.

EPDs stärken die Marktposition von Bauproduktherstellern

  • Hersteller, die EPDs für ihre Bauprodukte und Baukomponenten erstellen sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit.
  • EPDs erleichtern Herstellern den Zugang zu öffentlich ausgeschriebenen Bauprojekten.

EPDs fördern Nachhaltigkeitsstrategien in den Unternehmen

  • EPDs zeigen Potentiale für die Produktoptimierung auf, z. B. wie Material- und Energieaufwand bei der Produktherstellung verringert werden kann.
  • EPDs zeigen Hotspots im Lebensweg eines Produktes auf, z. B. im Hinblick auf die Steigerung der  Energieeffizienz eines Produktes während dessen Nutzungsphase.
  • EPDs zeigen Potentiale auf, wie Prozesse im Unternehmen optimiert werden können, z. B. hinsichtlich der Logistik oder der Betriebskosten.