Aktueller Stand zur EN 15804+A2

Erster Wurf für die EN 15804+A2 nach dem neuen Amendment M350

Nach 11 Sitzungen seit der letzten Plenarsitzung November 2016 in Berlin wurde im Oktober 2017 in Valetta auf Malta ein erster Entwurf für die neue EN 15804+A2 vorgestellt. Dieser Entwurf war in 6 Arbeitsgruppen, die zusätzlich getagt hatten, erarbeitet und für die Plenarsitzung  zusammengestellt worden.

Das Mandat und sein Amendment

Die europäische Kommission hatte 2004 ein Mandat 350 an CEN gestellt, das die Erarbeitung von Erfassungsmethoden für die Umweltqualität von Gebäuden zum Ziel hatte. Aus diesem Mandat entstand die Normenfamilie des CEN TC 350. Grundlage war die Erfassung der Umweltqualität von Produkten, deren einzelne Umwelteigenschaften, deklariert als EPD, zur Umweltqualität eines Gebäudes aggregierbar sind. Welche Umwelteigenschaften erfasst werden sollten, wurde aus dem Informationsbedarf für Gebäude abgeleitet.

Die EPD haben sich seither auf dem Markt etabliert, nicht zuletzt weil auch zur Debatte stand, diese Informationen für die Leistungserklärung nach CE Zeichen einzusetzen. Die Ökobilanz im Hintergrund ist mittlerweile auch zu einem Instrument der umweltbezogenen Produktentwicklung für Hersteller geworden.

Parallel zu dieser Entwicklung begann die europäische Kommission das Projekt Product Environmental Footprints (PEF), das zwar dieselbe methodische Grundlage wie die EPD benutzt, aber unterschiedliche Konventionen etabliert hat. Mit Hilfe einer Änderung (amendment) des Mandats M350 für den Bausektor sollen nun die beiden Quantifizierungsvorschriften angeglichen werden.

Ergebnisse

15804+A2Alle Akteure im Bausektor haben ein Interesse daran, eine einheitlich anwendbare Rechenvorschrift für die Erfassung der Umweltqualität von Bauprodukten  zu finden: sowohl für die EPD als Tool für den Informationstranfer vom Produkt zum Gebäude, als auch für den PEF, als Tool für den Informationstransfer vom Hersteller zum Verbraucher.

Dafür wurden folgende Anpassungen vorgeschlagen:

  • beide Ansätze, EPD und PEF verwenden dieselben Indikatoren. Für die EPD bedeutet das eine Erweiterung des Indikatorensatzes um differenziertere Angaben für den Beitrag zum Treibhauseffekt als GWP aus fossilen Quellen, aus biogenen Quellen und aus Landnutzungsänderungen. Dazu kommt eine Erweiterung zur Eutrophierung und zur Wasserthematik.
  • beide Ansätze verwenden dieselben Charakterisierungsfaktoren, auf der Basis der Forschungsergebnisse von JRC. Dazu gehört auch, dass die Faktoren für den Beitrag zum Treibhauseffekt durch biogenes CO2 auf Null gesetzt werden und dass eine C- Speicherung im Podukt als zusätzliche Information angegeben werden kann.
    Der Verlust an Transparenz durch die Nullsetzung des biogenen CO2 wird durch die Deklaration von senken und Emissionen des Kohlenstoffs in allen Lebenszyklusstadien ausgeglichen.
  • Beide Ansätze verlangen neben den Angaben für die Produktherstellung auch szenariengestützte Angaben für Entsorgung und Recyclingpotentiale nach dem Lebensende des Produkts. Ausnahmen sind beschränkt möglich (Produkte die in der Nutzung ihre physischen Eigneschaften verlieren wie Zement).
  • Weiterhin wurden die Anforderungen zur funktionellen und deklarierten Einheit sowie zur Datenqualität präzisiert.
  • Das TC 350 schlägt auch vor, als Pilotphase Indikatoren, deren Interpretation noch nicht gesichert ist, im Projektbericht zu deklarieren, ohne Verpflichtung zur Veröffentlichung in der EPD. Das sind die sogenannten „zusätzlichen Indikatoren“ Human- und Ökotoxizität, Toxizität von Feinstaub und Radioaktivität sowie Landinanspruchnahme und Bodenqualität.
  • Ein informativer Anhang enthält die Zusammenfassung der Norm in einer Formel für die Module A1-A3, C1-C4 und D. Diese Formel ist nicht verpflichtend, wenn jedoch eine Formel eingesetzt wird, dann muss es die Formale aus Anhang D sein.

Ausblick zur EN 15804+A2

Im Februar 2018 wird dieser Entwurf zur Abstimmung und Kommentierung gestellt. Die  engen Zeitvorgaben der Kommission können eingehalten werden, wenn der Vorschlag im Grundsatz angenommen wird. Im kommendem Jahr wird das TC 350 auch mit der Arbeit an der Revision der Normen EN 15942 zur Erleichterung der Digitalisierung, und TR 15941 als Hilfestellung zur Datenauswahl, wie auch an dem neuen Normungsprojekt Business to Consumer (B2C) Kommunikation beginnen.

2017-12-11T15:22:37+00:00 05.12.2017|